Held Niklas
Held Niklas auf Reisen

Fernweh, die Sucht nach Reisen, andere Länder, andere Kulturen, ein anderes Leben, all dies ließ mich seit meiner letzten Reise 2008 nach Thailand einfach nicht mehr los. Der Traum meine Sachen zu packen und ins Flugzeug zu steigen verstärkte sich immer mehr und dieses Jahr kam alles zusammen. Über den Winter konnte ich genug Geld sparen und mit mehreren Leuten zusammen eine Reise nach Afrika zum Bouldern planen. Weil mir ein Monat als Reisezeit nicht ausreichte und ich große Lust hatte alleine zu reisen buchte ich noch einen Kombiflug direkt von Afrika nach Thailand im Anschluss an die vier Wochen bouldern…

Die Reisegruppe bestehend aus Philip, Nico, Christoph, Dominik, Milla, Gerber, Freddy, Lars, Carina und mir buchte sich zwei Hütten bei de Pakhuys – eine schön gelegene Unterkunft in unmittelbarer Nähe der ersten Boulderblöcke und ein optimaler Ausgangspunkt für unsere Bouldertage.

Who the fuck is Minki?

Mittwoch früh um 7 aufstehen, essen, den Flieger um 12 Uhr von Frankfurt nach Qatar nehmen, in Qatar 12 Stunden auf den Anschlussflug warten, nach 5 weiteren Stunden kommt Philip endlich mit seinem Flieger nach – die Wartezeit wird erträglicher. Um 7 Uhr morgens kommt unser Flieger nach Kapstadt, immer noch keine einzige Stunde geschlafen, der Flieger macht noch Zwischenstation in Johannesburg, langsam steigt die Anspannung, das Sitzen tut weh und um 18 Uhr kommen wir endlich in Kapstadt an und werden freudig von Milla, Freddy, Dominik, Nico und Christoph empfangen, die schon auf uns warten. Schnell das Mietauto geholt und im ungewohnten Linksverkehr nach drei Stunden Autofahrt in unserer Unterkunft angekommen.

Der Blick aus unserer Hütte am nächsten Morgen verschlägt uns allen den Atem: Blockfelder in riesigen Mengen und allen erdenklichen Größen bescheren uns eine super Laune und lassen uns voller Motivation ins nahe gelegende Gebiet de Pakhuys aufbrechen.

Auf verschiedenen Plateaus gelagert liegen viele Blöcke verteilt, der Himmel strahlt blau und am Ende des Tages gelangen wir bis auf das oberste Plateau zum Klassiker Minki – durch ein kleines Dach ziehen sich große abschüssige Bänder, abwechslungsreiche Kletterei, kein stupides Gebolze, präzises Toehooken und ein dynamischer Zug zum Ausstieg, ein schöner Boulder benannt nach einem Süd Afrikanischem Model – beim nächsten Einkauf landet die FHM gleich mit im Einkaufswagen und Minki hängt nicht nur auf der Liste der super Boulder sondern auch in der Küche. 

Das V-Point Battle – What´s fun about bouldering?

Da sich unsere zehnköpfige Gruppe auf zwei Häuser verteilte kam im Vorfeld die hirnrissige Idee auf zwischen den Häusern ein V-Point Battle zu veranstalten – jeder Boulderer sammelt für sein Haus Punkte, steigend mit der Schwierigkeit der Boulder, die er im Laufe des Urlaubs bewältigt.

Mir liegt dieser Vergleich gar nicht und zerstört ein wenig den Spaß am Bouldern, nur in einem Gebiet rumzurennen und eine gewisse Anzahl an Bouldern zu machen motiviert mich irgendwie gar nicht. Bin ich zu unmotiviert oder ein Jammerlappen?

„Ich will ja nicht nach Hause kommen und nichts gemacht haben“ - Christoph

Wie definiert sich nichts gemacht haben? Ich probiere auch gerne mit anderen Leuten schwere Boulder und bin froh, wenn ich in einem 8a Boulder, der nicht meinem Style entspricht mehrere Züge aneinander reihen kann und Philip helfen kann eine etwas kraftsparende Variante zu finden.

Ich bin nicht in die Rocklands gefahren um 4 Wochen durchzukeulen und einen Boulder nach dem anderen zu machen, nur damit die Zahl stimmt – sich an den Laptop zu setzen und bei 8a.nu Scorecards abzuhaken ist nicht meine Art, virtueller Schwanzvergleich ist wohl stark im Trend – trotzdem bluten die meisten meiner Finger schon, im Battle liege ich abgeschlagen hinten, aber ich habe eine Menge Spaß stressfrei zu bouldern und zu probieren!

The Mental Game

Vor Publikum zu bouldern gehörte noch nie zu meinen Stärken, der Vergleich mit anderen und der Kampf mit den eigenen Erwartungen fällt mir an schlechten Tagen dementsprechend besonders schwer. Um so wichtiger ist es für mich, die Boulder auszusuchen und je nach Situation nur mit weniger Leuten entspannt zu bouldern – die Wettkampfsituation verschwindet und eine gönnerhafte Ruhe kehrt am Felsen ein. Noch schöner ist es wenn die Spotter mich pushen und mir Zeit lassen an einem Problem zu tüfteln ohne Druck auszuüben.

Während ich im Roadside Sektor an einer hohen 6c noch an meinen Erwartungen scheiterte gelang mir nur einige Tage später mit Zanzibar eine hohe schöne Kante, an der Lars nie locker ließ mich zu pushen. Schlechtes Absprunggelände, ein wackliger Zug auf eine scharfe abschüssige Seitleiste, aus unstabiler Postion den linken Fuß auf einen abschüssigen Tritt bringen, den rechten Fuß auf ein kleines Korn stellen, den Füßen vertrauen, nicht an den Sturz denken, dynamisch hoch schnappen – schlecht erwischt, nachfassen – Lars schreit von unten, nicht nachdenken und irgendwie bin ich oben. Ein super Gefühl, wieder einmal im Tunnel verschwinden, oben anzukommen und nicht mehr zu wissen was passierte. Mein schönster Boulder in den Rocklands bisher, eine klare Linie, ein schönes Bewegungs- und Stehproblem an kleinen Leisten, Lars fightet sich auch noch hoch, ich fürchte mich schon beim spotten und am Ende sind wir beide super glücklich – ein sehr gelungener Tag!

And now for something completely different

Wir sind am filmen, fotografieren, wandern, Blöcke suchen – Scott Noy schielt entweder oder hat noch nie einen Kletterführer samt Karte gesehen - pushen, kochen, Klettervideos schauen, Karten spielen… Klassiker wie Hole in One wurden von Philip, Freddy, Lars und Dominik schon bezwungen, das Rhino wurde nach langem tüfteln besiegt und viele Classics im Roadside Sektor schon gesichtet und angetestet.

Für die nächsten Tage haben wir schon mehrere Gebiete im Führer ausgemacht und der Roadside Sektor wird sicher noch den ein oder anderen Besuch von uns ertragen müssen, meine Rechnung mit Creaking Heights steht noch offen und ich habe mir mit der Black Slab von Michelle Caminati noch eine super Line ausgeschaut, die ich sehr gerne noch machen will, mal sehen ob die Psyche da mitspielt…

Uns geht’s super - Fleisch ist preiswert und lecker, unsere Hütte ist geräumig, die Sonne geht gegen 18 Uhr unter, das Trinken fängt früh an, der Rotwein ist herrlich, das Bier mehr als genießbar und betrunken unterm Sternenhimmel in den Pool springen rockt!

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